• Hasret Mutlu

Crossing Germany „Ab durch die Mitte“ – Ein besonderes Abenteuer mit besonderen Leuten

8 Tage, 837km mit 21.000 Höhenmetern, 13 Menschen und ein unvergessliches Abenteuer. Das ist die Kurzfassung von dem, was ich mit dem Team „Crossing Germany“ im Oktober vom 20.10 – 27.10 quer durch Deutschland erleben durfte. Ich möchte einmal alles Revue passieren lassen und euch berichten, was ich bei diesem Projekt und großem Abenteuer erleben durfte.


Was ist Crossing Germany „Ab durch die Mitte“?


Crossing Germany „Ab durch die Mitte“ wurde vom Trail Magazin ins Leben gerufen. Das Ziel war von West nach Ost zu laufen gemeinsam mit Leserinnen und Lesern des Magazins. Hierfür hatte sich jeder von uns beworben mit einem kurzen Video oder Motivationsschreiben. Ich hatte die Ehre Teil dieses Teams und des Projekts zu werden. Das Ganze war ein Staffellauf. Jeden Tag gab es 5-6 Etappen zu bewältigen. Es liefen immer mindestens zwei Leute zusammen. Ganz klar stand von Anfang an fest, dass dies nicht wie üblich beim Laufen eine individuelle Leistung ist, sondern eine Teamleistung. Im Schnitt jeden Tag ca. 21km mit knapp 600Hm laufen und danach die anderen Läuferinnen und Läufer supporten.


Die Absicht und Motivation war zu zeigen, dass man Deutschland überwiegend auf Trails durchqueren kann. Deshalb verlief die Strecke auch durch all die schönen Naturparks, die unser schönes Land zu bieten hat. Es ging quer durchs schöne Mittelgebirge. Unterstützt wurde das Ganze auch durch Salomon und Petzl, unter anderem durch Ausrüstung für alle.

Strecke Crossing Germany (Screenshot Komoot)

Soviel zum Hintergrund des Ganzen. Jetzt tauchen wir in meine Gedankenwelt ein. Es könnte emotional werden.


Die Anreise


Endlich war es soweit. Nachdem wir eigentlich im April losgezogen wären und aus bekannten Gründen (Corona) dieses Abenteuer in den Oktober verschoben haben, saß ich im Zug und konnte es kaum erwarten anzukommen, die anderen kennenzulernen und einfach loszulaufen. Mit drei aus dem Team hatte ich schon das Vergnügen über den Sommer mal laufen zu gehen und sich auszutauschen. Besonders mein Freund Alexander, der, wie ich gebürtiger Kölner ist, habe ich öfters getroffen. Schon jetzt war ich allein für diese Bekanntschaft dankbar. Wir fuhren auch zusammen nach Schengen an die Grenze von Deutschland und Luxemburg, wo der Start erfolgte. Lange Zugfahrt, viel Verspätung und am späten Nachmittag waren wir da. Irgendwie verrückt wie schnell 6 Monate vergangen sind und wir jetzt hier auf der Brücke, die Deutschland und Luxemburg verbindet, standen. Wir beide waren die letzten die ankamen und wir wurden von Denis, dem Chefredakteur vom Trail Magazin abgeholt. Lässiger, cooler Typ und es harmonierte auch direkt, sowie mit dem Rest des Teams. Wir machten mit dem gesamten Team noch schnell ein Gruppenfoto auf der Brücke, wo der Start am nächsten Morgen erfolgte und es ging dann auf den ersten Stellplatz.

Team Crossing Germany

Danach richteten wir uns erstmal ein. Wir hatten drei Wohnmobile in denen wir 8 Tage auf engstem Raum zusammenleben würden. Es war schon komisch und gleichzeitig richtig cool. Zu viert war ich mit Denis, Alexander und Benni in einem Wohnmobil. Wir kauften für die nächsten zwei Tage ein und gingen relativ früh schlafen.


Das Abenteuer beginnt


Morgens um 6 Uhr stehen 13 Läuferinnen und Läufer auf der Brücke, alle gut gelaunt in Partystimmung. Das Abenteuer kann beginnen und wir schicken die ersten auf die Strecke. Hannah, Sandra und unsere Traildogs Malouna und Janosh machen den Anfang. Alexander und ich machten uns schon bereit für die zweite Etappe des Tages!


Generell war es immer so, dass die Wohnmobile immer von Checkpoint zu Checkpoint gefahren sind. Wir hatten eine Uhr auf der wir die gesamte Strecke getrackt haben und die als Staffelstab den nächsten Läufern übergeben wurde.


Ich glaube besser hätte es nicht starten können. Wir waren am ersten Checkpoint und standen direkt vor der Saarschleife. Sonnenaufgang, gepaart mit leichten Nebel und einem unglaublich schön gefärbten Himmel. Man konnte sich nicht satt sehen. Ich war einfach nur glücklich hier zu sein und loszulaufen. Ich war so heiß und gefühlt am Brennen! Das sollte sich aber die nächsten Tage auch fortsetzen.

Saarschleife

Gute Laune bei bester Kulisse

Kurz vorm Start

Alexander und ich starteten wie Raketen auf die Strecke. Wir liefen so schnell los und waren auch zügig unterwegs. Auf den Spuren des Saar Hunsrück Steig hatten wir tolle Trails und hakten die zweite Etappe ab.

Schon am ersten Tag harmonierte das Team voll. Alle die nicht liefen unterstützten so gut es geht die Läufer. Der Teamspirit war vom ersten Tag aus schon da. Man spürte es einfach. Wir waren so schnell im Flow. Das nenn ich eine Gruppendynamik! Der erste Tag war intensiv und zum Reinkommen. Aber wir waren unterwegs und die Mission „Crossing Germany“ lief an. Wir alle waren heiß und dieses gemeinsame Ziel schweißte uns ganz krass zusammen.


Voll im Flow


Tag 2 sah nicht anders aus und die anderen Tage genauso. Laufen, Essen, Unterstützen, Feiern und Schlafen. Feiern? Ja dieses Abenteuer war eine Party. Jede Etappe haben wir gefeiert. Jedes Zwischenziel war ein Erfolg. Wir kamen voran. Wir liefen auch am zweiten Tag noch einen Teil des wunderschönen Saar Hunsrück Steigs und je näher wir zum Rhein liefen, veränderte sich allmählich auch die Landschaft. Vor allem am ersten und zum großen Teil auch am zweiten Tag gab es sehr wenig Zivilisation. Wir trafen keine Menschen in der Natur. Ab und zu hatten wir alle das Gefühl im Niemandsland zu sein. Es war beeindruckend auf so tollen unbekannten Wegen und Gegenden zu laufen. Wir kamen am zweiten Tag am Rhein an und hatten einen tollen Stellplatz direkt am Rhein gelegen.


Stellplatz an Tag 2

Blick auf den Rhein

Müde, glücklich und sehr hungrig gingen wir beim Vietnamesen mit dem gesamten Team essen. Ein toller Abend mit gutem Essen. Früh ging es aber ins Bett, denn für mich ging es am dritten Tag gemeinsam mit Hannah, Nico und Trailhündin Malouna sehr früh morgens los. Der Taunus wartete auf uns alle.

Abendessen an Tag 2

Morgens um 5 Uhr klingelt der Wecker. So sahen eigentlich alle Tage aus. Die Tage waren lang. Man war früh auf den Beinen und ich für meinen Teil direkt hell wach. Alexander war immer der erste der wach war. Wir wurden geweckt mit dem Geruch von frisch gekochtem Kaffee, den Alex jeden Morgen machte. Kaffee, kleines Frühstück, Sachen packen, umziehen und ab geht die wilde Fahrt!


Tag 3 ging durch den Taunus. Für mich ging es gemeinsam mit Hannah, Malouna und Nico vom Rhein über die Weinberge. Das war knackig, zäh, kalt und dunkel war es ja auch noch. Aber in dem Moment, in dem du auf einem offenen Feld stehst und es langsam hell wird und der Himmel beginnt sich zu verfärben, weiß man, es hat sich wieder einmal gelohnt so früh unterwegs zu sein. Diese Momente sind unbezahlbar, vor allem mit den richtigen Leuten!

Start von Tag 3 in Dunkelheit


Etappe 1 geschafft

So laufen wir weiter und die Kilometer schrumpfen. Abends kommen wir bei Benni zu Hause an. Der Taunus ist sein Revier und seine Heimat. Also war es auch nicht weit zu ihm nach Hause. Wir hatten einen tollen Abend und seine Frau kochte sogar etwas Leckeres für uns. Einfach klasse. Wir schliefen vor seinem Haus in den Wohnmobilen. Danke Benni für diese Gastfreundschaft.


Der vierte Tag hatte das Ziel bis nach Fulda zu kommen. Ein langer und intensiver Tag. Wir sind voll drinnen und alles ist zur Routine geworden. Wir kennen uns alle seit vier Tagen, aber es läuft einfach als ob wir seit Jahren zusammenlaufen würden. Es war einfach toll zu sehen, wie gleichgesinnte hier harmonieren und welche Dynamik sich von Tag zu Tag entwickelt hat.

Sonne und Energie tanken

Wir hatten schöne, ernste Gespräche, haben aber auch viel Blödsinn gelabert und so viel gelacht. Die kleinen Dinge haben dieses Abenteuer nochmal auf eine ganz andere Ebene gehoben. Hier treffen verschiedene Persönlichkeiten, Ansichten und Überzeugungen aufeinander. Ich hatte am Anfang etwas Respekt davor und dachte mir: „Ob das funktioniert?“. Ja! Das hat es. Wir waren alle offen für Neues und uns verband dieses eine Ziel. Wir bauten Vertrauen auf, lernten uns gegenseitig kennen und hatten einfach gemeinsam eine schöne Zeit und das wichtigste wir hatten zu jeder Zeit Spaß.


Mein persönliches Ziel war es, wie auch von den anderen aus dem Team möglichst mit jedem einmal gelaufen zu sein. Möglichkeiten hatten wir genug dazu. Mit allen Mal ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen war so wertvoll!


Jedenfalls ging der ganze Spaß weiter und ich lief am vierten Tag zusammen mit Frank. 27km vergingen so schnell. Frank hatte als erfahrener Ultraläufer viel zu erzählen. Mit Spannung hörte ich zu und war begeistert. Einfach nur toll. Der Tag hielt für uns insgesamt viel Sonnenschein bereit.


Nachdem wir mit unserer Etappe fertig waren, ging es im Laufe des Tages für uns auch auf den Bilstein mit einer wunderschönen Aussicht ins Weite.

Aussicht ins Weite

Bilstein

Schon jetzt war ich begeistert von der Natur und den tollen Wegen, die Deutschland zu bieten hat und wir hatten gerade mal Halbzeit!


Zur späten Stunde kamen wir in Fulda mit dem Wohnmobil mitten in der Stadt auf einem Stellplatz an. Es gab Falafel und Pommes und ein paar aus dem Team waren noch auf der Strecke unterwegs. Als sie dann endlich ankamen, lief ich mit einigen anderen dann nochmal zur Imbiss Bude, um für die hungrigen Läufer was zu essen zu holen, während sie geduscht haben. Als ich das Essen in unser Wohnmobil brachte, waren Denis und Alexander froh nicht nochmal losziehen zu müssen. Diese Art von Unterstützung hat jeder im Team für jeden geleistet und das war immer wieder aufs Neue extrem schön.


Die Rhön


Nachdem wir das Saarland, Rheinland-Pfalz und Hessen hinter uns gelassen haben ging es durch die wunderschöne Rhön. Die Rhön ist ein großes Mittelgebirge im Grenzgebiet der Bundesländer Hessen, Bayern und Thüringen.

Bislang kannte ich die Rhön nicht und ich war gespannt was uns erwarten wird, da einer aus dem Team schon öfters dort war und berichtete, dass die Landschaft sehr schön sein soll.


Gestartet sind wir in Fulda und früh morgens stand auch Philipp Reiter von Salomon auf der Matte. Er sollte uns jetzt zwei Tage begleiten und hatte vor ein paar tolle Aufnahmen zu machen, um das Abenteuer festzuhalten.

Kaffee am Morgen (Photo by Philipp Reiter)

Ich lief an diesem Tag zusammen mit Nina und Benni die dritte Etappe des Tages. Wir hatten tolle weite Aussichten und die Strecke war sehr abwechslungsreich. Mal ging es durch Wälder auf breiten Wegen und dann wieder auf schmale Trails oder durch kleine Ortschaften von denen ich noch nie etwas gehört habe. Hier scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Irgendwie abgeschirmt von der Außenwelt und der Zivilisation. Wir kamen auch am Ende der dritten Etappe in einem ganz kleinen Dorf an. Klarer blauer Himmel und die Sonne spendete die nötige Wärme. Wie üblich sprang ich ins Wohnmobil, schnappte mir mein Recovery Getränk und duschte mich schnell ab. Denis hatte heute lecker Nudeln gekocht und wir aßen auf einem Parkplatz gemütlich zusammen zu Mittag während die nächsten schon auf Etappe 4 unterwegs waren.


Dieses „Van Life“ war übrigens einfach nur genial. Ich mein wir waren ständig unterwegs, hatten zu viert in diesem Teil alles drinnen was wir brauchten. Wir konnten direkt nach dem Laufen duschen, uns was zu essen machen und hatten eine warme Stube bei den kälteren Temperaturen. Jedoch benötigte das Wohnmobil auch Pflege. Also Abwasser leeren, Toilette säubern und entleeren und das Wichtigste: Wasser auffüllen. Das konnten wir meistens alles dann auf den Stellplätzen abends machen und wirklich jeder von uns hat an einem Strang gezogen. Wir waren natürlich alle irgendwann müde, hungrig und wollten entspannen, aber hier ging es um das Miteinander und da hat jeder durchgezogen. Wenn ich an all die kleinen Aufmerksamkeiten denke, geht mein Herz auf.

Home Feeling auf vier Rädern

Da der Tag einfach nur schön war und zur späten Stunde die letzte Etappe des Tages relativ kurz war, entschied ich mich noch eine Etappe durch die Rhön zu laufen. Das taten dann auch viele weitere aus dem Team und so waren wir mit einer großen Gruppe unterwegs, um die Rhön abzuschließen und hinter uns zu lassen.


Die Sonne im Rücken, goldige Farben und eine Gruppe von richtig gut gelaunten Läuferinnen und Läufern. Diese letzte Etappe war Hammer. Philipp Reiter machte mit der untergehenden Sonne und dem perfektem Licht einzigartige Fotos. Wir hatten Spaß, alberten rum und liefen als ob wir noch frisch wären. Jeder von uns hatte mittlerweile etliche Kilometer in den Beinen, aber davon war nichts zu spüren. Leichtigkeit, Freude und purer Genuss beschreiben diese letzte Etappe ganz gut.

Photo by Philipp Reiter

Letzte Etappe des Tages (Photo by Philipp Reiter)

Photo by Philipp Reiter

Photo by Philipp Reiter

Good Night (Photo by Philipp Reiter)


Thüringer Wald – Angekommen am Rennsteig


Der sechste Tag bricht an und wir laufen auf dem Höhenweg des Thüringer Walds den Rennsteig. Der Rennsteig hat Tradition und seine eigene Laufgeschichte. Jeder in der Trailszene kennt den berühmten „Rennsteiglauf“. Trailrunning wird hier gelebt

Photo by Philipp Reiter

Eines der Highlights an diesem Tag war als wir zur ersten Staffelübergabe auf dem Marktplatz in Suhl standen und Alex, Sandra, Hannah, Malouna und Janosh empfangen haben. Wir standen morgens früh alle auf dem Marktplatz von Suhl und als die kleine Truppe einlief, formten wir einen Tunnel und feierten einfach! Die Leute drum herum sahen etwas verwundert aus und verstanden glaube ich nicht was da gerade abgeht. Es war einfach nur der Hammer.

Marktplatz in Suhl (Photo by Philipp Reiter)

So ging dieser Tag auch voran und es begleiteten uns hin und wieder heimische Läufer auf der Strecke. Auch die Mitveranstalter des Rennsteigslauf begrüßten uns und schenkten uns einen Kasten Schwarzbier. Einfach nur toll und eine sehr schöne Geste. Danke!


Der Thüringer Wald war absolut schön und irgendwie magisch. Ich hatte dann die Gelegenheit auf der vierten Etappe zusammen mit Clemens, Nico, Clara und Denis 21km des Rennsteigs kennenzulernen. Ich komme definitiv wieder, da auf meiner Bucketlist ganz weit oben eine Fastpacking Tour auf dem Rennsteig steht.

Photo by Philipp Reiter

Photo by Philipp Reiter

Dieser sechste Tag lief für mich um ehrlich zu sein nicht so rund. Es war zäh und ich merkte, dass ich über Tag zu wenig gegessen hatte und klar, die Beine waren auch schon schwer. Aber Tage, an denen es nicht läuft sind auch in Ordnung und gehören bei so einem Abenteuer auch dazu. Wichtig ist das Tief zu akzeptieren und damit umzugehen und vor allem zu wissen, dass nach jedem Tief auch ein Hoch kommen wird. Am Ende unserer Etappe hatten uns dann noch heimische Läufer vegetarische Frikadellen und Bananenbrot mitgebracht. Das war köstlich und eine richtig gute Stärkung.


Der Tag endete auch heute im Dunkeln. Alex und ich sammelten die letzten Läufer ein und es ging auf den Stellplatz. Am Abend hatten wir auch reichlich zu essen, denn Sandra’s Mutter hatte uns einen großen Topf Chili Sin Carne gekocht. Wir aßen uns den Bauch voll und gingen früh schlafen.


Viel Geschichte – der Osten


Es bricht der vorletzte Tag an. So richtig glauben konnte ich es nicht und so ging es jedem. Wir sind komplett aus dem normalen Leben raus gewesen. Wir machten hier unser Ding und waren fast da. Das Ziel war zum Greifen nah. Ich hatte ehrlich gesagt gemischte Gefühle und setzte mir als Ziel jeden Moment intensiv wahrzunehmen und zu genießen. Will ich, dass es zu Ende geht? Irgendwie nein, aber irgendwie auch schön mal wieder nach Hause zu kommen. Fakt ist, dass wir alle das Gefühl hatten, dass wir so ewig weiterlaufen könnten.


Wir liefen ins Vogtland rein und waren so richtig im Osten angekommen. „Hallo Sachsen! Team Crossing Germany ist jetzt da.“ Der Osten hat viel Geschichte zu bieten. DDR Zeit und man denke mal daran, dass Deutschland damals innerhalb durch eine Mauer getrennt war.


Wir waren lange auf dem Kammweg im Erzgebirge unterwegs und die Etappen waren für allem im Team lang. Im Schnitt waren es ca. 25km. Ich lief die zweite Etappe mit Hanna, Sandra, Malouna und Janosh. Wir liefen auf wunderschönen Trails und ab und an auch querfeldein. Sandra ist hier heimisch und erzählte wie damals noch die Mauer links von uns gestanden hatte, während wir auf einem ehemaligen Panzerweg liefen.


Beste Begleitung mit zwei Herzensdamen und den Traildogs

Wir hatten tolle Gespräche, liefen an einem Panzer vorbei und durch das Dorf Mödlareuth. Ein Dorf mit knapp 40 Einwohnerinnen und Einwohnern. Dieses eine Dorf war ehemals durch eine Mauer getrennt. Alte Wachtürme, Zäune mit Stacheldraht und einen Rest von der Mauer erinnern an die grausame Zeit. Ich hatte Gänsehaut während wir im strammen Schritt durch das ruhige und stille Dorf schritten. Ein Museum ist hier entstanden, um über die Geschichte zu berichten und um hoffentlich aus Fehlern lernen zu können, sodass so etwas nie mehr passiert.




Nach 26km kamen wir bei unseren Wohnmobilen an und mir wurde bewusst: „Morgen ist der letzte Tag“. Es ist bald geschafft. WIR haben es bald geschafft.


Auch dieser Tag stellte uns aufgrund der vielen Kilometer vor Herausforderungen. Aber wir waren ein eingespieltes Team und meisterten auch das. In eisiger Kälte und in Dunkelheit beendeten wir auch diesen Tag. Wir hatten für den Abend in einem Hotel im Restaurant für Abendessen reserviert. Der Laden war schick und wir kamen teils mit Jogginghosen und in Läuferklamotten, natürlich frisch geduscht, dort an. Ein letztes Mal noch beisammen sein und den Abend zusammen genießen. Wir hatten lecker gegessen und dann beschlossen ein paar aus dem Team noch runter an die Bar zu gehen, um Cocktails zu trinken. Markus hatte nämlich am nächsten Tag Geburtstag und wir wollten reinfeiern. Unten an der Bar gab es sogar einen DJ, der auf Wunsch „Viva Colonia“ abspielte. Mitten in Sachsen tanzten wir zu Kölscher Musik. Das war ultra witzig und einfach nur genial. Die Leute guckten uns teils schräg an, aber das war uns voll egal. Markus war auch schon völlig müde, so wie wir alle und wir warteten nur noch darauf, dass die Uhr 0 Uhr anzeigt. Wir feierten rein und es war glaube ich eine kurze und doch sehr besondere Feier für Markus. Alexander, Nico und Frank blieben noch an der Bar hängen und kamen später wieder zurück. Wir standen einfach auf einem Parkplatz und schliefen dort.



Der letzte Tag – Alles hat ein Ende


Es war der Wahnsinn wie schnell das alles ging. Da waren wir und uns trennten nur noch 39km zum Fichtelberg. Ich wollte unbedingt die letzte Etappe machen und mit auf den Fichtelberg laufen.


Den Gedanken wieder ins normale Leben zurückzukommen wollte ich erstmal verdrängen. Mit einer großen Truppe zogen wir los auf der zweiten Etappe des Tages. Wir liefen viel berghoch. Es war schön und idyllisch. Aber es war komisch zu wissen, dass dieses Abenteuer jetzt sein Ende findet. Doch alles findet mal ein Ende, damit etwas Neues beginnen kann. Doch ist es schwer loszulassen. Zu viel haben wir erlebt und zu viele Eindrücke konnten wir sammeln. Das alles mit für mich ganz besonderen Menschen.


Wir kamen auf einem großen Parkplatz an, wo die anderen auf uns warteten und die Wohnmobile geparkt hatten. Die letzten 2km wollten wir gemeinsam als Team laufen, auf den Fichtelberg.


„Ab geht’s und jetzt sind es nur noch 2000m.“ Durch meinen Kopf schießen unzählige Momente, die wir hier erlebt hatten. Wir feierten und liefen hoch. Mit der Glocke in der Hand machten wir viel Lärm und jubelten. Viele Wanderer schauten auf und fragten sich was hier gerade passiert. Einige klatschten, lächelten und jubelten mit.


„Da ist der Stein. Fichtelberg. Wir sind da.“ Wir liefen dorthin und küssten alle diesen Stein, unser Ziel. Mir kamen die Tränen. Ein Wechselbad der Gefühle. Wir umarmten uns, bedankten uns für diese tolle intensive Zeit und waren alle voller Glücksgefühle. Markus packte dann die Sektflaschen aus und wir ließen die Korken knallen.


Sektparty

Danach wurden Fotos gemacht und wir liefen wieder runter. Es wurde gepackt und Abschied genommen. Ich blickte mit einem lachenden und einem weinenden Auge voraus und sagte allen: „Auf Wiedersehen. Wir sehen uns wieder auf dem Trail.“ Ganz bestimmt, denn uns verbindet etwas Großes.

One Team one Goal: Crossing Germany

Größtes Abenteuer


Ich habe besonders in diesem Jahr durch die Fastpacking Touren viele Abenteuer erleben dürfen, die alle einzigartig waren. Aber das was in den 8 Tagen passiert ist, war einfach das größte was ich je erlebt habe. Wir haben Deutschland durchquert, sind als Team zusammengewachsen und hatten eine tolle und intensive Zeit. Ich werde noch lange an diesen Erinnerungen zehren und die Momente für immer mit mir tragen. Jeder einzelne in diesem Team ist besonders und mir ans Herz gewachsen. Danke für diese Zeit und dieses Abenteuer.


Aber ein besonderer Dank geht an Benni und Denis vom Trail Magazin, die mit ihrer Arbeit besonderes für diesen großartigen Sport leisten. Danke, dass ich dabei sein durfte und dass ihr mir die Möglichkeit gegeben habt dabei zu sein! In der Dezember Ausgabe wird es ebenfalls einen großen Bericht über dieses Abenteuer geben. Ich freue mich darauf diesen Bericht dann auch zu lesen. Taschentücher halte ich dann auf jeden Fall beim Lesen bereit. Also schaut und holt euch gerne die Ausgabe und ohnehin gibt es immer tolle inspirierende Beiträge.


Das „normale“ Leben


Mittlerweile bin ich wieder im Alltag angekommen. Arbeit, Studium und der tägliche Wahnsinn. Mir fiel es sehr schwer. Ich war gefühlt für eine kurze Zeit in einem Loch. Wir waren raus aus dem täglichen Leben. Es drehte sich alles nur ums Laufen, um das Team und das gemeinsam Ziel. Ich nehme viel mit und schweife immer wieder mit den Gedanken an dieses Abenteuer zurück und ich glaube, dass wird noch eine Zeit lang anhalten.


Danke auch an dich fürs Lesen und deine Zeit.


Dein


Hasret

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