• Hasret Mutlu

Nachtlauf durch die Eifel

Aktualisiert: Jan 15

Seit dem Nachtlauf durch die Eifel sind mehr als zwei Wochen vergangen und ich möchte einmal meine Erlebnisse und Eindrücke von diesem speziellen, abenteuerlichen und schönen Lauf mit euch teilen. Ein Lauferlebnis, welches ich in dieser Form noch nicht hatte und ein Geburtstag, den ich so schnell nicht mehr vergessen werde!


Start in die Dunkelheit


Kurz vor 0 Uhr trafen wir uns alle in Konzen - Monschau bei Holger Lapp von Trampelpfadlauf. Insgesamt waren wir 12 Laufverrückte mit dem Plan durch die Nacht zu laufen. Mittendrin ich, der sehr aufgeregt seinem ersten Miniultra (ca. +/- 45km) gegenüberstand. Nicht, dass der Lauf besonders genug ist, sollten wir auch noch in meinen Geburtstag (18.07) reinlaufen. Als ich das damals vor der Anmeldung gesehen habe, war es für mich natürlich sonnenklar: „Da musst du mitlaufen!“.


Als wir komplett waren, ging es dann nach einer kurzen Absprache auch schon los. Stirnlampen an und los geht das Abenteuer. Nach einer kurzen Strecke durch das Dorf tauchten wir direkt in den Wald und in die Dunkelheit ein.


Geburtstagskind


Wir liefen und es war anfangs sehr still. Ich glaube jeder brauchte einen Moment, um anzukommen und in den Lauf rein zu finden. Für mich war es auch eine sehr ungewohnte Situation, denn ich bin noch nie in der tiefsten Dunkelheit mit Stirnlampe gelaufen und das auch noch über Trampelpfade, die mit Hindernissen bestückt sein können. Naja, das erste Mal ist immer schwierig, dachte ich mir. Ich war so fokussiert und konzentriert, dass ich sogar vergessen habe die Uhr im Auge zu behalten. Eine aus der Gruppe, die wusste, dass ich Geburtstag habe, fragte: „Es müsste doch schon so weit sein oder Hasret?“. Ich schaute auf die Uhr und tatsächlich wir hatten schon 11 Minuten nach 0 Uhr. So vertieft war ich und ich wusste in dem Moment noch mehr, dieser Lauf wird ein sehr spezielles Erlebnis.

Mit 26 Jahren entlarvte ich mich in der Gruppe als Küken, was mich noch mehr anspornte den Lauf bis zum Ende durchzuziehen.


Das Licht in der Dunkelheit

Wir liefen durch die Dunkelheit über Stock und Stein. Nur der Lichtkegel der Stirnlampe war zu sehen und sonst pure Dunkelheit. Immer nur der nächste Schritt. Schritt für Schritt, dachte ich mir. Manche Steigungen fühlten sich endlos an. Aber genauso auch die Downhills. Der Lauf war nach einer Zeit wie eine Endlosschleife. Du siehst nur ca. 100m und läufst einfach weiter mit einem festen Ziel: „Laufen bis es wieder hell wird“. Ab und zu gab es auch eine kleine Pause, bei dem wir etwas trinken und snacken konnten. Einmal kam auch von mir die Frage an unseren Guide: „Wo sind wir denn jetzt gerade?“. Kurzes Gelächter in der Menge. Ich wusste teils echt nicht, wo zum Teufel wir sind. Klar - irgendwo in der Eifel, aber wo genau. Das war aber auch egal, denn schließlich hatten wir zwei erfahrene Guides, die uns sicher durch die Nacht bringen würden.

Photo by Trampelpfadlauf (Holger Lapp)
Photo by Trampelpfadlauf (Holger Lapp)

Angekommen in Einuhr


In Einruhr ca. bei km 21 hatte Holger seinen Bulli stehen, bei dem wir was kleines Essen und unsere Vorräte für die „zweite und letzte“ Etappe auffüllen konnten. Man erzählte mir, dass es bei vergangen Läufen Fälle gab, bei denen einigen Läufern nach dem Stopp bzw. nach dem Essen übel wurde. Der Körper reagiert natürlich ganz anders, da dieser eigentlich auf Ruhe und Schlaf eingestellt ist. Da kann der Magen auch schnell verrücktspielen. Irgendwie merkte ich auch ein komisches Gefühl im Bauch, aber ebenfalls im gesamten Körper allgemein. Teils wegen der Schlaflosigkeit und natürlich nicht zu vergessen, der anspruchsvollen Strecke. Nach einem Stopp von 15min ging es weiter. Mission Sonnenaufgang kann weitergehen!


Müde Beine und Fragen über Fragen

Ab km 30 merkte ich ganz schnell, dass es bei mir leistungsmäßig abwärtsging. Das Tempo war für die Strecke anspruchsvoll, aber machbar. Trotzdem war es heute noch anstrengender als sonst. Es waren auch andere Bedingungen mit denen ich konfrontiert wurde und klar war auch, dass es kein Zuckerschlecken wird.

Photo by Trampelpfadlauf (Holger Lapp)

Ich fragte mich ganz oft: „Was zum Teufel machst du hier? Du läufst durch die Nacht in der Eifel in deinen Geburtstag rein. Warum?“. Diese oder ähnliche Fragen stellen mir meist auch einige Freunde oder Familienmitglieder. Aber manchmal tue ich das auch selbst, vor allem in einem Moment, bei dem ich hart leide. Diese Momente sind unangenehm und schön zugleich. Denn ich mache es, weil ich Lust draufhabe, etwas Einzigartiges zu erleben und Laufen bzw. Trailrunning eine Leidenschaft ist. Ich habe aber auch dazulernen können, dass solche Momente völlig in Ordnung sind, in denen man zweifelt und sich fragt wieso oder warum? Momente bei denen man vielleicht daran denkt aufzugeben, weil es hart ist und schmerzt. Aber genau das sind die Momente mit dem stärksten Wachstumspotential und bei dem du selbst deine Grenzen verschiebst. Einfach weiter und auf den nächsten Schritt fokussieren und nicht darauf schauen, wie lange oder wieviel noch zu bewältigen ist. Genauso ist es auch im Leben und das ist einer der tollen Dinge im Sport.

Der letzte Push zum Sonnenaufgang

Mit der Zeit setzte auch die Müdigkeit ein und ich hechelte den anderen hinterher. Aber es war für jeden hart und nicht einfach. Also rumheulen bringt nichts. Machen oder abbrechen. Und wer mich gut kennt weiß: Ich ziehe bis zum bitteren Ende durch!

Ein Glück, dass der liebe Gero mit am Start war. Der bildete nämlich die Nachhut für eventuelle Läufer, die nach einer Zeit langsamer liefen. Die letzten Kilometer haben wir dann gemeinsam bewältigt. Ich bin echt dankbar, dass er mich noch gepusht hat. Alleine hinten wäre es noch schwieriger gewesen. Da er den Nachtlauf schon mehrere Male mitgemacht hat, hat er Holger unterstützt. So konnte Holger sich voll auf die Strecke konzentrieren und uns durch die Wälder führen. Danke Gero!

Langsam wurde es auch heller und die Vögel fingen an zu zwitschern, aber relativ spät wie sich feststellen lies. Ich konnte es kaum glauben. Du bist einmal durch die Nacht gelaufen. Der Wahnsinn!


Sonnenaufgang

Es ging raus aus dem dunklen Wald auf eine große Wiese mit einer wunderbaren Aussicht in die Weite. Der Himmel verfärbte sich bereits. Ein toller Moment, den wir alle sehr genießen konnten, trotz müder Beine und Schlaflosigkeit. Ich war in diesem Moment einfach nur dankbar.

Finish

Nach dem wunderschönen Farbenspiel am Himmel ging es dann wieder zurück Richtung Konzen, von wo wir gestartet sind. Am Ende standen 44km mit ca. 1400 Höhenmetern auf der Uhr. Was für eine Nacht, was für ein Lauf.

Als Geburtstagskind hatte ich selbstverständlich nach so einem Lauf etwas zum Naschen mitgebracht. Es gab leckere Schoko Muffins! Dieses tolle Erlebnis wurde am Ende abgerundet mit einem schönen Frühstück, welches wir uns alle mehr als verdient hatten. Danach ging es auch schon wieder nach Hause nach Aachen! Den restlichen Tag war ich echt verklatscht aber überglücklich!

Photo by Trampelpfadlauf (Holger Lapp)

Kurz zum Lauf

Der Nachtlauf fand dieses Jahr zum siebten Mal statt und wird hoffentlich auch nächstes Jahr stattfinden. Holger hat diesen Lauf damals ins Leben gerufen, weil er bei der Vorbereitung auf einen seiner Ultraläufe das Laufen in der Nacht trainieren wollte und dies nach dem Motto: „Warum alleine laufen?“ daraus ein Kultevent entstanden ist. Es war mir eine Ehre dabei zu sein!

Organisiert wurde das Ganze von Trampelpfadlauf, eine große Online-Plattform zu Trailrunning und Outdoor-Sport. Regelmäßig werden auch Touren oder sogar Laufreisen angeboten. Also schaut auf jeden Fall mal vorbei.

Der Nachtlauf war einfach klasse und ich werde, wenn es nächstes Jahr zeitlich passt, wieder gerne dabei sein! Danke Holger für diesen Lauf und das Abenteuer.

Ich freue mich auf viele weitere solcher Erlebnisse und es fühlt sich einfach richtig an das zu tun. Und zwar zu laufen, Abenteuer zu erleben, viel in der Natur zu sein und über sich hinauszuwachsen. Jeden Tag ein bisschen besser als gestern.

Euer Hasret

*Der Beitrag enthält unbezahlte Werbung und persönliche Empfehlungen.

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