• Hasret Mutlu

Leopard Ultra Trail Mullerthal 2021 - Grenzerfahrung - Race Bericht

Endlich wieder mal eine Startnummer dranmachen und loslaufen. Für mich ging es nach zwei Jahren Wettkampfpause wieder an die Startlinie eines richtigen Rennens. Mein erster Trail- Wettkampf sollte es werden und das im wunderschönen Mullerthal in Luxemburg. 112km mit 2700 Hm im Aufstieg war die Herausforderung. Um ehrlich zu sein bislang die größte sportliche Herausforderung in meiner jungen Trailrunning - „Karriere“. Was ich erlebt habe, wie der Lauf und die Veranstaltung war und welche Eindrücke ich mitnehmen konnte, erfahrt ihr in diesem Blog-Beitrag.


Über den Lauf


Der Leopard Ultra Trail Mullerthal, kurz UTML, ist eine Laufveranstaltung durch das Mullerthal. Mit vier verschiedenen Distanzen bietet der UTML tolle und anspruchsvolle Strecken an, bei der für jeden/jede Läufer/in was dabei ist.

  • Ultra-Trail 112km ca. 2700Hm mit 7 Verpflegungspunkten

  • Long Trail 75km ca. 1900Hm mit 5 Verpflegungspunkten

  • Trail 39km ca. 1100Hm mit 3 Verpflegungspunkten

  • Shorty Trail 15km ca. 700Hm mit 1 Verpflegungspunkt

Außer dem Shorty Trail, der woanders startet, starten alle Distanzen in Echternach auf dem Marktplatz und enden ebenfalls dort.


Ich hatte mich für den Ultra Trail angemeldet. Mein erster über 100km Lauf und ein Erlebnis, an das ich mich gerne zurückerinnere.


Mullerthal


Die Strecke durch das Mullerthal setzt sich aus drei Schlaufen zusammen. Bei den 112km läuft man alle drei Schlaufen und somit durch das komplette Naturgebiet.

Screenshot von Strava

Das Mullethal wird auch „kleine luxemburgische Schweiz“ genannt und ist sehr bekannt für seine atemberaubenden Felsformationen. Ich freute mich riesig darauf dort zu laufen und diese mir unbekannte Gegend laufend zu entdecken. Falls ihr weitere Infos haben wollt, findet ihr unten den Link zur Homepage vom Mullerthal-Trail und ebenfalls habe ich euch auch die Routen des Mullerthal Trails verlinkt.


Weitere Infos zum Mullerthal: hier

Strecken vom Mullerthal: hier


Ankunft und Vorbereitung


Meine Freundin und ich sind einige Tage vorher nach Echternacherbrück angereist. Dort haben wir unser Lager auf einem Campingplatz (Campingpark Freibad Echternacherbrück) direkt an der Sauer aufgeschlagen. Wir hatten einen wunderschönen Platz am Wasser gelegen und konnte hier einige Tage einfach entspannen. Ich war komplett im Ruhe Modus. Quasi die Ruhe vor dem Sturm!

Mit den Gedanken war ich natürlich voll beim Lauf. Jeder Tag weniger, trieb meine Aufregung weitaus in die Höhe. Ich fühlte mich gut vorbereitet, denn ich habe eine Menge Kilometer und Höhenmeter dieses Jahr hinter mich gebracht. Unzählige Stunden laufen und viele lange Läufe, die immer wieder ein eigenes Abenteuer für sich waren. Aber man stellt sich dann doch immer die Frage: „Verdammt hat das Training ausgereicht?“. Selbstzweifel? Ich würde nicht sagen Zweifel, sondern eher RESPEKT vor dieser sportlichen Herausforderung. Denn auf 112km kann viel passieren.


Wir ließen es uns die Tage vor dem Tag X gut gehen und ich ging im Kopf immer wieder durch, wie ich durch die Ziellinie laufen werde. Die Mentale Vorbereitung auf so eine extreme Distanz kann im Rennen entscheidend werden. Die körperliche Fitness muss da sein, keine Frage, aber der Kopf muss das Ganze auch mitmachen. Ich habe nahezu jedes Mal bei einem Lauf, mir visuell vorgestellt, wie ich durch diese Ziellinie in Echternach laufen werde und das half mir extrem meinen Willen und Ehrgeiz noch mehr zu stärken.


Der Tag vor dem Rennen


Freitag (10,09) war dann der letzte Tag vor dem Rennen. Der Start des UTML war am 11.09 um 00:05 Uhr auf dem Marktplatz von Echternach. Die ersten 50-60km sollten durch die Nacht gehen, aber dazu später mehr. Es gibt aber auch die Möglichkeit um 22 Uhr zu starten, sodass man ein Zeitlimit von 21:30h hat. Jedoch wird man dann hier nicht in die offizielle Wertung aufgenommen. Ich lief mit einem Zeitlimit von 19:30h, sodass ich in die offizielle Wertung aufgenommen wurde.

Als Support kam auch noch mein guter Freund Christian mit dem wohl süßesten Hund Rares vorbei. Wir gingen am Nachmittag zusammen zum Marktplatz, um meine Startunterlagen abzuholen. Ich war so aufgeregt, dass ich mein Handy und somit meinen Impfnachweis im Zelt vergessen hatte und ich zweimal zum Markplatz latschen durfte. Man musste einen 3G Nachweis bringen und bekam dann ein Bändchen, sodass man später in den Startbereich reingelassen werden konnte. Also ich kann euch sagen, ich war einfach nur verpeilt vor Aufregung an diesem Tag. Als ich dann endlich meine Startunterlagen hatte ging es zurück zum Campingplatz, um zu Abend zu essen. Eine dicke Portion Nudeln und dann nochmal die Ausrüstung durchgehen und alles zu recht legen.

Es gab eine Pflichtausrüstung, bei der man eine Notfalldecke, eine Trillerpfeife, eine Stirnlampe mit Ersatzbatterie, einen kleinen faltbaren Trinkbecher, eine Essenreserve, mind. 1 Liter Wasser und optional noch Stöcke dabeihaben musste.


Einen ausführlichen Post/Bericht zur Ausrüstung findet ihr auf meinem Instagram Kanal: hasretsmovement. Unten habe ich euch mal den Post verlinkt, dort habe ich alle Gegenstände, die ich mit hatte vorgestellt.

Link: Hier


Jedenfalls legte ich mich nochmal hin, um noch ein paar Stunden vorher etwas zu schlafen. An Schlaf war aber nicht zu denken. Ich machte einfach die Augen zu und versuchte abzuschalten und mich auf den Lauf zu fokussieren.


Der Start


Als dann die Zeit reif war, zog ich mich um, packte alles ein und war bereit. Meine Freundin begleitete mich zum Start. Es war stock dunkel und die 800m vom Campingplatz bis zum Start waren mystisch, weil ein Nebel aufzog, alles so still war und je näher man zum Marktplatz kam, hörte man aber schon das Getümmel und die Musik. Da war ich also und es sollte losgehen. So viel trainiert und vorbereitet. Irgendwie hatte ich Gänsehaut als ich da in dem Startbereich mit all den anderen verrückten Läufern und Läuferinnen dastand. Dieses Feeling ist einfach nur der Hammer. Endlich wieder mal eine Startlinie.

Kurz vorm Start lief dann noch AC/DC „Thunderstruck“ und zehn, neun, acht……boom. Auf geht das Ultra Abenteuer. Ich lief los, war total fokussiert und konzentriert. Den Fehler zu schnell loszulaufen habe ich diesmal ganz klar nicht gemacht. Ich ließ es langsam angehen und wollte erstmal ankommen und mein Wohlfühltempo laufen.


Die Nacht


Durch die Nacht/in der Dunkelheit bin ich schon mittlerweile öfters gelaufen. Vor allem die Nachtläufe in der Eifel oder im Taunus mit Trampelpfadlauf.de haben mich etwas abgehärtet. Hier waren wir aber immer in einer Gruppe unterwegs. Beim UTML wusste ich, dass es Abschnitte geben wird, bei denen ich komplett alleine sein werde. Die Läuferinnen und Läufer verteilten sich gut auf der Strecke. Ich war irgendwo in der Mitte und die ersten 15 Kilometer lief man mit einigen Leuten zusammen. Aber ab dem ersten Verpflegungspunkt bei km17 sah man immer weniger Leute. Hin und wieder überholte ich andere Läufer, aber die meiste Zeit ging es alleine durch die Dunkelheit. Das war für mich mental sehr anspruchsvoll.


Die erste Schlaufe war sehr gut laufbar. Es gab aber trotzdem ein paar Abschnitte, die sehr technisch waren und das in Verbindung mit der Dunkelheit war ziemlich hart. Dazu kam auch noch, dass es immer wieder geregnet hat und ab und an Nebel aufzog. Das erschwerte die Sicht mit der Stirnlampe trotz voller Leuchtpower sehr. Ich kämpfte mich durch und beendete die erste Schlaufe und kam nach ca. 37km in Echternach in der Nacht an. Als ich zum Marktplatz zur Verpflegungsstelle lief, standen auch schon die Läuferinnen und Läufer für den 75km Lauf, zum Start bereit. Sie machten Platz, applaudierten stark und riefen: „Allez“, „Auf geht’s“ oder „Super weiter so“. Mittendrin stand auch ein bekannter, den ich kurz im Laufen grüßte. Das tat so gut und gab mir viel Energie.


Ich trank eine warme Gemüsebrühe, aß Brot und Bananen. Ich ließ mir bewusst Zeit, weil es mir wichtig war, an den Verpflegungspunkten gut Energie zu tanken. Hier traf ich einen weiteren Bekannten, der nicht mitlief, aber als Support für einen Freund da war. Das war irgendwie auch schön und motivierte sehr.


Danach lief ich weiter. Noch ca. 3halb Stunden in der Dunkelheit laufen, dann geht die Sonne auf. Ich dachte allgemein nur von Verpflegungspunkt zu Verpflegungspunkt. Also das große Ziel in kleine Schritte aufteilen. Das hilft enorm, um weiter zu kommen und die kleinen Erfolge auch mal zu feiern. Den an die ganze Distanz wollte ich nicht denken, dass war selbst beim Laufen für mich surreal.


Der erste Teil der zweiten Schlaufe nahm mir jegliche Energie. Die Strecke war technisch und von Echternach ging es erstmal 10km gefühlt nur bergauf. Es ging durch die Felsen hindurch und das Mullerthal, wofür es bekannt ist, zeigte sich in voller Schönheit und Anstrengung. Ich kämpfte mich durch die Felsspalten, sprang über Felsen und gab alles. Auf der Strecke traf ich auch auf weitere Läufer, die den 75km Lauf liefen und die ich einige Male noch auf der Strecke gesehen habe. Es war toll sich mit den anderen zu unterhalten und sich gegenseitig etwas zu supporten.


Langsam wurde es auch schon hell und man hörte die Vögel zwitschern. Endlich konnte man auch die beeindruckenden Felsen sehen. Für mich begann auch damit ein neuer Abschnitt.





Der Morgen und die neue Energie


Mit dem hell werden und der aufgehenden Sonne bekam ich irgendwie auch neue Energie. Ich hielt kurz inne und wusste, dass der erste Teil geschafft ist. Nach über 50km waren die Beine ziemlich schwer, aber ich fühlte mich gut. Ich lief mit aller Mühe zum nächsten Verpflegungspunkt bei km 59, bei dem ich einen Dropbag mit frischer Kleidung gebunkert hatte. Man hatte im Vorfeld die Möglichkeit einen Dropbag abzugeben. Diesen Verpflegungspunkt würde ich nach 98km nochmal passieren.


Ich zog ein frisches Laufshirt an. Es war total erfrischend. Dann gab es noch kurz etwas zu essen, bevor es für mich auf die große dritte Schlaufe des Mullerthals ging. Die zweite Schlaufe lief man nur zur Hälfte und es ging direkt auf die dritte Schlaufe. Am Ende sollte dann die zweite Hälfte der zweiten Schlaufe zum Schluss kommen.


Zusätzlich wusste ich auch, dass meine Freundin und Christian mich empfangen werden. So war es für mich mental extrem hilfreich zu wissen, dass die beiden ab jetzt für mich da sind und mich supporten.


Bei km 63 traf ich die beiden an. Ich hatte vor dem Start des Laufs auf raceday.me ein Live Tracking eingerichtet, sodass meine Supporter, Freunde und Familie immer sehen konnte, wo ich mich rumtreibe, bei welchem Kilometer Stand ich bin und wie schnell ich laufe. Das Ganze lief über GPS und funktionierte super. Über das Handy und damit verbunden die App startete ich das Live Tracking.

Photo by Christian Sander

Das war einfach nur emotional die beiden anzutreffen. Meine Freundin hatte auch eine Tasche mit etwas Verpflegung und Wasser dabei. Alle 8-10km traf ich die beiden an. Es ging von einem Treffpunkt zum anderen und somit schrumpften die Kilometer immer weiter.



Photo by Christian Sander

Photo by Christian Sander

Photo by Christian Sander

Ich war motiviert und meine Beine schöpften neue Kraft und Energie. Es lief wie am Schnürchen und ich konnte nochmal einiges an Zeit gut machen, die ich durch die anstrengende und anspruchsvolle Nacht verloren hatte. Denise und Christian waren hin und weg und feuerten mich an. Bei km 75 gab es nochmal eine Wasserstelle vom Veranstalter und anschließend eine Verpflegungsstelle bei km 82.

Photo by Christian Sander

Photo by Christian Sander

Rares in Love I Photo by Christian Sander

So langsam wusste ich, es geht dem Ende zu und das Ziel ist nicht mehr allzu weit entfernt, aber trotzdem sind das noch ca. 30km, die ich laufen muss. Ich bekam etwas Angst, dass ich es nicht im Zeitlimit schaffe. Mein Ziel war es doch im Mittelfeld zu landen. Aber irgendwie war das zu dem Zeitpunkt egal. Ich wollte unbedingt ankommen, unterhalb des Zeitlimits. Ich lief, mobilisierte alle meine Kräfte und versuchte einfach ruhig zu bleiben. Meine Freundin und Christian versuchten mir auch klar zu machen, dass ich gut in der Zeit bin und ich mich nicht stressen muss. Der Druck legte sich auch, als ich die Kontrollpunkte mit mehr als einer Stunde vor dem Zeitlimit passierte.

Photo by Christian Sander

Irgendwie klappte das mit dem Essen dann auch nicht mehr. Ich stieg um auf Gels und haute mir alle ca. 60min ein Gel rein, um Kohlenhydrate reinzubekommen. Wasser habe ich mehr als genug getrunken und ich war zu keiner Zeit dehydriert. Das hatte ich um ehrlich zu sein sehr gut im Griff. Der Magen kann bei so einer Distanz ebenfalls verrücktspielen. Vor allem nachts, bei der der Biorhythmus des Körpers eigentlich auf Schlaf gestellt ist, aber dann auf Hochtouren arbeiten muss. Ich bekam aber keine Magenprobleme, weil ich nur das gegessen habe, was ich auch im Training getestet habe und was bei mir funktioniert. Besonders die Gemüsebrühe war immer wieder an den Verpflegungsstellen ein Segen.

Wunderschöne Trampelpfade

Die Hochs und Tiefs


Einige Hochs aber auch Tiefs hatte ich. Aber auch im Voraus war mir bewusst, dass es Momente geben wird, bei denen es mir nicht gut gehen wird oder ich vor mentalen oder physischen Herausforderungen stehen werde. Hier spielt der Kopf eine große Rolle. Zusätzlich hatte ich einfach auch den besten Support an der Strecke. Ich kämpfte mich Kilometer für Kilometer weiter und führte mir das Ziel vor Augen. Für meinen ersten Ultra Trail habe ich die Sache mit dem mentalen Aspekt ziemlich gut gemeistert und darauf bin ich auch sehr stolz.

Photo by Christian Sander

Ein Moment, der etwas schwer war I Photo by Christian Sander


Das Ziel zum Greifen nah


Ich erreichte nach 98km die nächste und vorletzte Verpflegungsstelle und somit auch im Zeitlimit den Kontrollpunkt. Von hieraus waren es nur noch 15km, die bewältigt werden mussten. Aber es sollte nochmal ganz hart und schwer werden. Eine Bekannte, die ich auf der Strecke traf und die sich mit der Strecke gut auskannte, sagte mir, dass auf den letzten 15km zurück nach Echternach eine Menge Treppen kommen werden und dieser Teil nochmal alles aus den Beinen saugt.


Ich war etwas erschrocken, dachte aber in diesem Moment nicht darüber nach, sondern fokussierte mich auf die mir bevorstehende Herausforderung, ließ diese Info aber mal sacken.


Es war nicht übertrieben. Dieser Teil der Strecke hat mir nach 100 Laufkilometern nochmal alles abverlangt. Treppen rauf und Treppen runter. Die Beine völlig ausgelaugt und ich wusste, wenn ich aufhöre mich zu bewegen war es das. Ich setzte mit aller Kraft die Stöcke ein und pushte mich die Treppen hoch, um sie dann wieder runterzulaufen. Meine Oberschenkel brannten und schrien gefühlt: „Hör auf bitte“. Mein Kopf war da und ich wusste und sagte zu mir selbst: „Du wirst das Ding jetzt finishen. Aufgeben ist keine Option. Ich bin stark.“


Als Info am Rande habe ich den gesamten Lauf Trailrunning Stöcke von Black Diamond eingesetzt. Infos zu meinen Stöcken findet ihr hier: Testbericht


Schließlich schaffte ich es mit letzter Kraft aus dem Tal rauf nach Berdorf. Dieses Tal mit den Treppen hat für mich die Bezeichnung „Tal der Hölle“ erhalten. Die Landschaft war extrem schön und man ist immer wieder zwischen den atemberaubenden Felsen gelaufen, aber die Treppen nach 100km in den Beinen waren wortwörtlich die Hölle.


Als ich in Berdorf meine Freundin sah waren es nur noch ca. 7km bis zum Ziel. Ich verweilte nicht lange, weil ich einfach so schnell wie möglich ankommen und in Bewegung bleiben wollte.


Der letzte Akt


Ich lief weiter und mit jedem Schritt kam ich näher an das Ziel. Ich passierte Revue, was ich hier gerade leiste und bis jetzt geleistet hatte. Eine Leistung, die ich selbst nicht fassen kann. Unfassbar wozu der menschliche Körper in der Lage ist. Natürlich kamen auch auf diesem letzten Abschnitt ein paar Treppen. Ich nahm es mittlerweile mit Humor und versuchte allgemein den gesamten Lauf über zu lächeln, positiv zu bleiben und das Wichtigste Spaß zu haben!


Dann kam der Moment, bei der man von oben Echternach sah. Die Kirche da vorne. Da muss ich nur noch hin. Einfach runterlaufen. Rollen lassen bis zum Ziel. Mich ergriff nochmal neue Energie. Woher die kam? Keine Ahnung. Aber sie war da und ich lief im schnellen Schritt Richtung Ziel.

Blick auf Echternach

Unten in Echternach hatte ich Gänsehaut. Die Leute in den Gassen, die gemütlich ihr Eis oder Essen bei Sonnenschein genossen, schauten auf und applaudierten oder riefen „BRAVO“. Nur noch diese Kurve und da war es, das Ziel. Die Augen füllten sich mit Tränen. Durch die Boxen rief einer meinen Namen: „Hasret Mutlu – Finish Ultra Trail Mullerthal“. Wow. Ich umarmte Denise und fing an zu weinen. Ich war angekommen und bin 112km mit knapp 3000Hm im Aufstieg gelaufen. Meine Grenzen habe ich definitiv gesprengt und mich auf ein ganz anderes Level sowohl mental als auch körperlich gehoben. Nach 18:15:07h finishte ich den UTML auf Platz 27 von 74 und erfüllte damit mein Ziel im Mittelfeld zu landen.



Danach saß ich da und trank erstmal ganz vorbildlich direkt mein Recovery Drink, holte mir noch was zu trinken und saß eine Weile am Marktplatz auf einer Bank mit Denise.


Leider gab es aufgrund der Corona Einschränkungen keine richtige Zielverpflegung. Das war sehr schade, denn zu gerne hätte ich noch dort Zeit verbracht und bei einem Bier mich mit vielen anderen Läufern kurz unterhalten. Aber es löste sich alles schnell auf. Trotzdem war der Lauf insgesamt gut organisiert und Verpflegungsstellen waren ebenfalls super. Schade war es aber, dass es keine Medaille in diesem Jahr gab. Dafür bekam man aber ein Schlauchtuch mit dem Logo vom UTML und nach dem Finish ein paar Goodies und ein Handtuch.


Mit Mühe humpelte ich mit Denise zum Campingplatz. Es gab lecker Pizza und wir ließen den Abend ausklingen. Ich war Müde und extrem kaputt. Mein Körper schaltete sich komplett ab. Ich kroch ins Zelt, hüllte mich in den Schlafsack ein und schlief. Die Beine und vor allem die Oberschenkel (durch die Treppen) taten weh.


Am nächsten Tag sah es nicht anders aus und mit Mühe bauten wir dann unser Lager ab und sagten: „Auf Wiedersehen Echternach“. Auf dem Rückweg gab es auch einen halt bei einem Burger Laden, wo ich mir richtig gegönnt habe und anschließend ging es sogar noch für ein paar kurze Gänge in die Sauna, was extrem hilfreich für die Regeneration war.


Mein Resümee


Würde ich so etwas nochmal machen? Ja, auf jeden Fall. Es gibt noch so viele tolle Läufe, die ich noch machen möchte und dass war erst der Anfang. Nicht jeder muss Ultra Distanzen laufen, nur wer darauf Bock hat und ich habe richtig Bock in den nächsten Jahren mich nochmal zu steigern und weiter über mich hinauszuwachsen. Da ist noch Luft nach oben und wie ich mich sportlich und mental innerhalb der letzten 3halb Jahre entwickelt habe, macht mich sehr stolz. Gleichzeitig bin ich einfach nur dankbar für meinen Körper, meine Freundin, meine Freunde, meine Familie und all den Supportern über Social Media. Es war der Wahnsinn wie viele Leute geschrieben oder den Lauf über das Live Tracking mitverfolgt haben. Danke dafür!

Ich habe mich mittlerweile sehr gut erholt vom Lauf und bin wieder sportlich unterwegs. Ein weiteres Highlight steht nämlich vor der Tür.


Crossing Germany mit dem Trail Magazin und weiteren neun Läuferinnen und Läufern. Wir durchqueren Deutschland von West nach Ost als Staffellauf. Vom 20.10 -27.10 sind wir unterwegs und ich darf dabei sein und mitlaufen. Also Stay Tuned. Da wird noch einiges kommen!


Bis dahin alles Gute und bleibt gesund!


Euer Hasret





*Dieser Beitrag enthält Werbung wegen Markennennung (Unbezahlt).

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